Innovativer Testspezialist fertigt Steckverbinder in Kleinserien

Technischer Fortschritt erfordert Mut – das hat BRIGHT in einem anspruchsvollen Projekt für einen führenden Automobilhersteller bewiesen. Die innovative Lösung realisierte das Unternehmen mit der Präzisionsmikro-Stereolithografie von Boston Micro Fabrication (BMF): Der Partner AM Pioneers druckt in Esslingen hochpräzise Connectorplatten für Steckverbinder in stabilem Kunstharz auf einem microArch S240 3D-Drucker mit 10µm Auflösung.

Als Entwicklungspartner für den Mobilitätssektor bietet BRIGHT mit Standorten unter anderem in Böblingen und München (Deutschland) vielfältige Produkte und Dienstleistungen, um die dort üblichen Testprozesse zu unterstützen. Das innovative, mehr als 100-köpfige Team ist Entwicklungspartner im Mobilitätssektor – – von der Automobilbranche,  der Luft- und Raumfahrt, der Bahntechnik bis hin zu Land- und Baumaschinen. Peter Hautke, General Manager Sales and Operations E/E, erhielt 2024 eine Anfrage bezüglich Testequipment für die Steuergeräte einer neuen Fahrzeuggeneration.

Das elektronische Nervensystem prüfen

Steuergeräte bilden das intelligente Nervensystem moderner Automobile. Sie steuern Zündung und Kraftstoffeinführung ebenso wie Klimaautomatik, Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme. Die vernetzten Geräte empfangen Signale von Sensoren und setzen Aktuatoren in Bewegung – die geringste Fehlfunktion kann Katastrophen auslösen. „Bevor neue Fahrzeugmodelle in Serie gehen, wollen Entwickler und Qualitätsingenieur sehr genau wissen, wie die verschiedenen Steuergeräte mit dem Serienleitungssatz tatsächlich funktionieren“, berichtet Peter Hautke. Um die Messtechnik jeweils hinter die Steuergeräte zu schalten, wird eine y-förmige Adapterleitung zwischengeschaltet. Diese sollte BRIGHT entwickeln und liefern. „Stecker und Buchse zwischen Steuergerät und Serienleitung können wir kaufen“, sagt Hautke, „die Schwierigkeit bilden die Steckverbinder an der Abzweigung für die Messtechnik.“

Als Lösungsweg sollte die konventionelle Buchse eingescannt und das 3D-Modell umkonstruiert und dann 3D-gedruckt werden. Doch die Connectorplatte im Inneren muss rund 100 goldbeschichtete Pins mit sehr engen Form- und Lagetoleranzen aufnehmen – sonst würden einzelne Pins abbrechen. „Ein prozesssicherer 3D-Druck der benötigten 18 Varianten in Serien von 150 Stück war mit den geforderten Toleranzen bisher nicht möglich“, sagt Peter Hautke. „Aber wir waren sicher, dass unser Partner AM Pioneers die Aufgabe mit einem neuen 3D-Druckverfahren lösen konnte.“

Der Steckverbinder für die Messtechnik wurde so umkonstruiert, dass er sich mittels 3D-Druck herstellen und bei Bedarf reparieren lässt. Durch das optimierte Design kann das Innenteil problemlos eingesetzt und entfernt werden, ohne das Bauteil zu beschädigen.

Präzisionsmikro-Stereolithografie von BMF

Die AM Pioneers GmbH in Esslingen unterstützt seit 2021 produzierende Unternehmen bei der Implementierung verschiedener 3D-Drucktechnologien – mit 3D-Scans, als Dienstleister für Engineering und Fertigung ebenso wie als Reseller von Drucksystemen. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf führende Hersteller wie Desktop Metal, 3DCeram und Boston Micro Fabrication (BMF) für die Mikrofertigung. Die Projektionsmikro-Stereolithografie (PμSL) von Boston Micro Fabrication (BMF) verbessert das Digital Light Processing für die Anwendung im Mikrobereich. Die Drucksysteme enthalten hochpräzise Optiken, um die Pixelgröße im Projektor je nach Druckerserie auf 25μm, 10μm oder 2μm zu fokussieren. Auch die Lineartechnik der 3D-Drucker wurde für niedrigste Toleranzen ausgelegt.

Seit 2023 besitzt AM Pioneers einen microArch S240 von BMF. Mit der Auflösung von 10µm und einem Bauvolumen von 100 x 100 x 75 Millimeter eignet er sich für Prototypen und Serien von Mikrobauteilen in Endqualität. „Der S240 vereint hohe Genauigkeit und Präzision mit der für unsere Projekte entscheidenden Reproduzierbarkeit“, erklärt Frederik Nußbaumer, Head of Sales bei AM Pioneers. „Wir waren uns sicher, dass wir damit die Connectorplatten innerhalb der vorgegebenen Toleranzen von 20 µm drucken können.“

Das Mikro-Drucksystem mit 10µm Auflösung bewährt sich bei AM Pioneers in Esslingen in der Serienproduktion, für Prototypen und als Vorführgerät

Proof of Concept

Nun musste BRIGHT nur noch den skeptischen Kunden überzeugen. Zusammen mit AM Pioneers gingen sie ins Risiko und lieferten kostenlose Musterteile, die allen Anforderungen genügten. Mit der Präsentation der zugrundeliegenden Technik und weiteren Referenzteilen konnten sie den Automobilhersteller überzeugen – der sich über erhebliche Vorteile gegenüber den herkömmlichen Fertigungsmethoden freuen darf. „Der komplette Wegfall von Werkzeugkosten für das Spritzgießverfahren, der Zeitgewinn und die wesentlich höhere Flexibilität für späte Änderungen und Verbesserungen wiegen schwer“, erläutert Peter Hautke. „Noch mehr fällt jedoch der Sicherheitsgewinn bei den umfangreichen Tests der kritischen Steuerungstechnik ins Gewicht.“

Austauschbare Kontaktträgerplatte – die Toleranzen von 20µm werden bei Stückzahlen von 150 Teilen problemlos eingehalten

Problemlose Kleinserien- und Variantenfertigung

Bis Mitte des kommenden Jahres dürfen die Partner nun 18 Varianten des Steckverbinders in Kleinserien zu 150 Stück, insgesamt also 2700 Komponenten, auf dem 3D-Drucker produzieren und mit den Kabelsätzen liefern. „Wir können 20 Teile in einem Aufbau produzieren“, berichtet Frederik Nußbaumer. „Dabei profitieren wir von der hohen Prozessstabilität der Maschine, die wir problemlos über Nacht laufen lassen können.“ Dazu wird HTL verwendet, ein Hochleistungspolymer von BMF, das in verschiedenen Farben und auch transparent verfügbar ist. In diesem Fall wurde das stabilste Material in Schwarz gewählt. „Die breite Palette verfügbarer Materialien, transparenter, biokompatibler und besonders langlebiger Harze sind ein wichtiges Verkaufsargument für uns“, sagt Frederik Nußbaumer. Die Installation, Einweisung und das Anwendertraining wurden damals von BMF in vier Tagen abgeschlossen. Seitdem braucht AM Pioneers nur noch gelegentlich die Unterstützung des Herstellers: „Wir finden es sehr beeindruckend, wie schnell BMF auf technische Fragen reagiert,“ lobt Frederik Nussbaumer die partnerschfatliche Zusammenarbeit mit BMF.

Stiftwanne und Connectorplatte können im Inneren bis zu 54 Pins aufnehmen – je nach Ausführung der Steuergerätestiftwanne sind sogar bis zu 120 Pins möglich.

Fazit

AM Pioneers nutzt die Maschinen wie in diesem Projekt zur Serienproduktion, zur Auftragsfertigung von Prototypen und als Vorführgerät. „Der microArch S240 bewährt sich durch Wiederholgenauigkeit und Prozessstabilität als echtes Produktionsmittel“, meint Frederik Nußbaumer. „Mit dem richtigen Know-how aus Engineering und Additiver Fertigung kann man sich damit echte Wettbewerbsvorteile erschließen.“ Der erste Auftrag des Automobilherstellers wird nicht der letzte sein: Diverse Fahrzeugvarianten sind noch in der Entwicklung und werden ebenfalls getestet. „In einem preissensiblen Umfeld durch Know-how, innovative Ideen und auch Mut, die besten Lösungen für unsere Kunden zu finden, daran arbeiten wir mit unseren Entwicklern und Partner tagtäglich“, schließt Peter Hautke. „In der Zusammenarbeit mit AM Pioneers und BMF hat sich dieser Ansatz bestens bewährt.“

Peter Hautke: „Wir setzen in vielen Projekten auf additive Fertigungsmethoden – aber diese Genauigkeit und Präzision haben wir vorher noch nicht erreicht.“
Frederik Nußbaumer: „Mit additiver Fertigung finden wir für unterschiedlichste technische Herausforderungen eine innovative Lösung.“

Bildrechte: frei zur Veröffentlichung mit Nachweis

Über BRIGHT

Die BRIGHT Group ist ein Zusammenschluss verschiedener Technologieunternehmen und vereint heute die Schlüsselkompetenzen für die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen im Mobilitätssektor. Mit über 100 Mitarbeitenden und mehr als 1.000 erfolgreich umgesetzten Projekten unterstützt BRIGHT Unternehmen in der Automobilbranche, Luft- und Raumfahrt, Bahntechnik sowie für Land- und Baumaschinen. Als Entwicklungspartner an den Standorten Böblingen, Esslingen und München denken wir technologieoffen, interdisziplinär und praxisnah. Wir analysieren, testen, entwickeln und begleiten unsere Kunden durch komplexe Veränderungsprozesse – mit technischer Exzellenz, methodischer Stärke und einem klaren Blick für umsetzbare Lösungen.

Weitere Informationen unter https://www.bright-group.com/

Über AM Pioneers

AM Pioneers wurde im Jahr 2021 mit dem Ziel gegründet, produzierende Unternehmen bei der Implementierung von 3D-Druck-Technologien in die bestehende Fertigungsumwelt zu unterstützen. Eine rasante technologische Entwicklung ermöglicht es Unternehmen heute, konventionelle durch additive Fertigungsverfahren zu ersetzen.Dies beginnt bei der prozessbezogenen Überarbeitung von Bauteilen und reicht über die Auswahl des geeigneten Verfahrens bis zur Implementierung eines Drucksystems von Desktop Metal, 3D Ceram und Boston Micro Fabrication (BMF). Weitere Informationen unter www.am-pioneers.com

Über BMF – Boston Micro Fabrication

Boston Micro Fabrication (BMF) ermöglicht hochpräzisen 3D-Druck von Bauteilen im Mikromaßstab, die etwa in Gesundheitswesen, Biowissenschaften, Elektronik und Maschinenbau verwendet werden. Mit der firmeneigenen PμSL-Technologie (Projektionsmikro-Stereolithografie) produzieren die Drucker des microArch-Systems sehr genaue und präzise hochauflösenden 3D-Drucke für die Produktentwicklung, Forschung und industrielle Kleinserien. BMF wurde 2016 gegründet und betreibt Niederlassungen in Boston, Shenzhen, Chongqing und Tokio. Für weitere Informationen über BMF besuchen Sie bitte www.bmf3d.com oder folgen Sie dem Unternehmen auf LinkedIn (https://www.linkedin.com/company/bostonmicrofab/)

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